▲   Philosophische "Wissenschaftsforschung" _
 
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Hans-Josef Heck

Professor Dr. Reinhard Brand fragt:
 
    Logik + Physik + Ethik
 
    -  Ein vollständiges Wissenschaftssystem?
 
Eine Antwort ist möglich

 
 
 
Schon die Griechen haben vermutet, dass "Logik", "Physik" 2) und "Ethik" drei unterschiedliche Kategorien sind. Heinrich Rickert hat 1888 in seiner Dissertation "Die Lehre von der Definition" gezeigt, dass eben diese Kategorien jeweils andere Arten der "Definition" ("Begriffsbildung") erfordern. 3)
 
Wenn Brand vermutet, dass diese drei Kategorien ein Wissenschaftssystem bilden, dann müsste gezeigt werden, wie diese Kategorien aufeinander bezogenen sind, in welcher gegenseitigen Abhängigkeit sie stehen.
 
Brandts Frage nach der Disziplin, die dieser Problematik nachgehen müsste, lässt sich leicht beantworten:  Die Wissenschaftstheorie.
 
Warum aber konnte die Wissenschaftstheorie diese Fragen bisher nicht beantworten?
 
Eine Grundeinsicht ist notwendig, um diese Fragen beantworten zu können:
 
 
Wissen dient dem Handeln. Handeln erfordert ein Planen, Entscheiden und Kontrollieren. Planen, Entscheiden und Kontrollieren erfordert mindestens dreierlei Arten von Wissen:
 
Zu einer anwendbaren Wissenschaftstheorie 4) kommen wir, wenn wir vereinbaren, nur dann von Wissen zu sprechen, wenn die folgende beiden Gegebenheiten erfüllt sind:
 
Damit wird es möglich, eine Bedeutung von "Wissen" zu vereinbaren:
 
 
Außer den drei Kategorien "Logik", "Physik" und "Ethik" gibt es eine vierte Kategorie:  die Kunst. Sie ist von der Philosophie erst spät als eigenständiger Betrachtungsbereich entdeckt worden. Was vielleicht damit begründet werden kann, dass die Kunst keine, für unsere Existenz zwingend notwendige Kategorie ist
 
"Darstellung" ist eine wissen-konstituierende Gegebenheit:  Denn ohne eine Darstellung wäre Wissen nicht wahrnehmbar.
 
"Funktion" ist eine wissen-konstituierende Gegebenheit:  Denn nur wenn Wissen eine Funktion hat, ist es überprüfbar:  Nur die Funktion ermöglicht es uns, Maßstäbe zur Überprüfung zu entwickeln.
 
 
Das System der Wissenschaften besteht aus vier Kategorien:  Logik, Physik und Ethik bedingen sich gegenseitig und sind notwendige Voraussetzungen unserer Existenz. Die vierte Kategorie, die Kunst, geht über das existenziell Notwendige hinaus.
 
Alle vier Kategorien unterscheiden sich in der Ausprägung der beiden wissen-konstituierenden Gegebenheiten, Funktion und Darstellung:  Funktion und Darstellung können mit dem Wissen zusammenfallen oder auch nicht:
 
 
Da es keine weiteren Kombinationsmöglichkeiten dieser beiden, wissen-konstituierenden Gegebenheiten gibt, kann man vermuten:
 
 

 

Anhang:  Anmerkungen und Quellen

 
1)
Zitiert nach einem Vortragstext:
 
 
Auch erschienen als Buch:
 
 
2)
"Physik" wird hier umfassend als "Wirklichkeitswissenschaft" verstanden, also die Naturwissenschaften und die Kulturwissenschaften
 
3)
Rickert, Heinrich
 
Zur Lehre von der Definition
 
1. Auflage Freiburg i.Br. 1888
 
2. Auflage Freiburg i.Br. 1915
 
3. Auflage Tübingen 1929
 
4)
Hans-Josef Heck
 
Wissenschaffen und Handeln
 
Eine Grundlegung der Wissenschafts- und Wirtschaftstheorie
 
Gardez!, Remscheid 2008, 128 Seiten, ISBN 978-3-89796-205-7
 
www.wissenschaffen-und-handeln.de