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Hans-Josef Heck

Zur Funktion und Bedeutung
 
einer funktionsorientierten Theorie des
 
Wissenschaffens und Handelns im politischen Raum
 

 
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Die Wissenschaftstheorie ist - funktionsmäßig gesehen - die erste aller Wissenschaften. Sie muss daher auf sich selbst anwendbar sein.
 
 
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Die Funktionsorientierte Theorie des Wissenschaffens und Handeln zeigt, dass es in jedem Miteinander - der Setzung von Funktionen bedarf. Die Betonung liegt dabei auf 'Setzung'. Das heißt:  Es gibt keine wie immer geartete "Wahrheit", die man finden kann und auf der man eine Gemeinschaft aufbauen könnte. In Frieden miteinander leben zu wollen, setzt voraus, dass man diese Einsicht annimmt und danach handelt.
 
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Die grundlegende Funktion einer Wissenschaftstheorie sollte es sein, auszuloten, welche Möglichkeiten bestehen, sich auf bestimmte Regeln zu verständigen, nach denen wir miteinander wissenschaffen können. 'Wissenschaffen' ist hier in einem umfassenden Sinne gemeint.
 
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Wenn die Erkenntnis, dass am Anfang allen Wissenschaffens das Setzen einer Funktion stehen muss, zum Grundverhalten unseres Miteinanders werden würde, würde dies die politische Auseinandersetzung zur Offenheit zwingen.
 
Wenn zunächst die Funktion vereinbart - sprich kodifiziert - wird, müssen die Gerichte nicht nach Ausführungsregeln entscheiden, sondern können funktionsgemäße Entscheidungen treffen, was sicherlich ein wirksamer Schutz gegen - nicht vereinbarte - Einzelinteressen darstellt.
 
5
Da Handeln immer voraussetzt, dass man Funktionen setzt, kann es kein "unpolitisches" Handeln geben. Wenn die Presse dem Bundesverfassungsgericht vorwirft, immer mehr in die politischen Entscheidungen einzugreifen, dann zeugt dies von einem Nicht-Verständnis der wissenschaftstheoretischen Grundgegebenheiten.
 
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Die Funktionsorientierte Theorie des Wissenschaffens und Handelns schafft die integrative Verknüpfung von Wissenschaftstheorie und Handlungstheorie.
 
 
7
Die Funktionsorientierte Theorie des Wissenschaffens und Handelns zeigt auf, welche Kategorien des Denkens gleichzeitig notwendig sind, um eine Entscheidung treffen zu können. Als Unterscheidungskriterium wirken die Funktionen, die Wissen im Entscheidungsprozess hat.
 
 
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Die Funktionsorientierte Theorie des Wissenschaffens und Handelns macht, da handlungsorientiert, den Weg frei zur Analyse der Funktionen, die Teil eines funktionsgerichteten Handelns sind / sein müssen.
 
 
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Die Funktionsorientierte Theorie des Wissenschaffens und Handelns zeigt auf, dass Wissen immer relativ ist, bezogen auf die Funktionen, die gesetzt wurden.
 
 
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Die Funktionsorientierte Theorie des Wissenschaffens und Handelns ist Teil und Voraus jeden Selbstdenkens und jeden Selbstbestimmens und damit auch eine Voraussetzung jeder demokratischen Grundordnung.