▲   Philosophische "Wissenschaftsforschung" _
 
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Hans-Josef Heck

Wissenschaftstheorie
 
 -  Konsequenzen aus "Wissenschaffen und Handeln"

 

1   Die Wissenschaftstheorie ist eine Wirklichkeitswissenschaft

 
Wenn wir wollen, dass die Ergebnisse der wissenschaftstheoretischen Forschung anwendbar sind, dann muss die wissenschaftstheoretische Forschung die Methoden der Wirklichkeitswissenschaften anwenden.
 
Betrachten wir die Wissenschaftstheorie als eine Wirklichkeitswissenschaft, dann bedeutet dies, dass wir herausfinden wollen, wie wir Wissen schaffen, -  und darauf aufbauend, WIE wir noch Wissenschaffen könnten.
 
Wissenschaffen und Handeln sind symbiotisch miteinander verbunden. Systeme, die überleben wollen, müssen sich anpassen können. Dies gilt für Pflanzen und Einzeller ebenso wie für den Menschen. Wissensgewinnung und Wissensverarbeitung sind die Voraussetzung dafür, funktionsgemäß handeln zu können.
 
Es ist vermutlich zweckmäßig, den Betrachtungsbereich der Wissenschaftstheorie sehr weit zu fassen:  'Wissenschaffen' soll reichen von den Prozessen in einer Pflanze, die schließlich eine Reaktion der Pflanze veranlassen, bis zu den Prozessen, die der Mensch als Nachdenken über das Wissenschaffen betreibt.
 
 

2   Neuanfang, Sinn und Verantwortung

 
Ein Nachdenken über das Wissenschaffen muss davon ausgehen, dass es vor Beginn des Wissenschaffens über das Wissenschaffen noch kein Wissen über das Wissenschaffen geben kann. Dies bedeutet,
 
Dass ein Neuanfang alles Bisherige infrage stellen muss, ist verständlich.
 
Aber nicht sofort verständlich ist, warum man für einen Anfang einen Ausgangspunkt finden muss.
 
 
Vielleicht kann man noch andere Möglichkeiten finden, wie man beginnen könnte, aber immer führt dieses Wie dazu, dass wir ein "Richtig" wollen. Das heißt, dieses "Richtig" macht den Sinn unseres Wissenschaffens aus. Diese Nach-Besinnung ist ein Beispiel dafür, dass wir einen Sinn wollen.
 
Ein Sinn ist nicht weiter hinterfragbar. Der Sinn ist der Ausgangspunkt unseres Wissenschaffens und Handelns.
 
Einen Sinn kann ich setzen oder mit anderen vereinbaren. Beides betrachten wir als 'selbstbestimmt'.
 
Wenn wir einen Sinn von anderen übernehmen, handeln wir nicht mehr selbstbestimmt, sondern 'fremdbestimmt'. Wer sich einem Sinn unterwirft oder ein Sinn übernimmt, den andere gesetzt haben, versucht  -  zumindest unbewusst  -  der Verantwortung zu entgehen, die man für sein eigenes Handeln trägt.
 
 

3   Überprüfbarkeit:  "Wahrheit" oder gesetzte Funktion?

 
Wissenschaftstheorie und Philosophie haben als sinnstiftendes Warum seit Jahrtausenden gefordert, dass das Wissen, das wir schaffen, 'wahr' sein muss.
 
Dass es einen Ausgangspunkt, ein sinnstiftendes WOZU geben muss, ist immer selbstverständlich gewesen. Diese Selbstverständlichkeit hat mit dazu geführt, dass die Forderung nach "Wahrheit" nie infrage gestellt worden ist. Und dies ist oft auch heute noch der Fall.
 
Die bloße Forderung nach Wahrheit reicht nicht, um feststellen zu können, ob etwas wahr ist. Man muss schon angeben, wie man dies überprüfen kann. Es ist also völlig gleichgültig, ob man fordert, dass etwas 'wahr' oder etwas 'richtig' sein soll. Beide Forderungen sind ohne die Angabe einer Funktion inhaltsleer.
 
Erst wenn ich eine Funktion setze, die das neue Wissen haben soll, kann ich aus dieser Funktion heraus ein Prüfkriterium entwickeln. Erst mit meiner "will-kürlichen" Setzung habe ich auch die Möglichkeit geschaffen, das neue Wissen daraufhin zu prüfen, ob es die Funktion erfüllt, die ich gerade gesetzt habe.
 
Wissenschaffen benötigt also immer eine sinnstiftende Funktion.
 
 

4   Grundgegebenheiten  und  Selbstbegründbarkeit

 
Als unstrittige Gegebenheiten des Wissenschaffens sollten gelten:
 
Von diesen Einsichten ausgehend, war es möglich, ein Wissen über das Wissenschaffen zu schaffen, das nicht nur auf neues Wissen, sondern auch auf sich selbst anwendbar ist.
 
Weil das Wissen über das Wissenschaffen funktionsmäßig das erste Wissen allen Wissens ist, musste dieses Wissen selbstbegründend sein, das heißt, auf sich selbst anwendbar sein.
 
Die Theorie, die dieses leistet, ist die   
 
Funktionsorientierte Theorie des Wissenschaffens und Handelns
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